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Stuttgart Deutscher Wortschatz
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Stuttgart ist die Landeshauptstadt des Landes Baden-Württemberg.

Stuttgart (schwäbisch Schduágórd; ursprüngliche Bedeutung: Stutengarten[3]) ist die Landeshauptstadt des Landes Baden-Württemberg und mit 626.275 Einwohnern (31. Dezember 2021) dessen größte Stadt. Die sechstgrößte Stadt Deutschlands bildet das Zentrum der rund 2,8 Millionen Einwohner zählenden Region Stuttgart, einem der größten Ballungsräume Deutschlands. Zudem ist sie Kernstadt der europäischen Metropolregion Stuttgart (etwa 5,3 Millionen Einwohner), der fünftgrößten in Deutschland. Stuttgart hat den Status eines Stadtkreises und ist in 23 Stadtbezirke gegliedert. Als Sitz der Landesregierung und des Landtags von Baden-Württemberg sowie zahlreicher Landesbehörden ist Stuttgart das politische Zentrum des Landes. Es ist Sitz des Regierungspräsidiums Stuttgart, das den gleichnamigen Regierungsbezirk verwaltet. In Stuttgart tagt das Regionalparlament der Region Stuttgart, einer der drei Regionen im Regierungsbezirk Stuttgart. Darüber hinaus ist Stuttgart Sitz des evangelischen Landesbischofs von Württemberg und Teil der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die Stadt ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort und Finanzplatz. Sie ist bekannt als Heimat der deutschen Automobilfirmen Mercedes-Benz Group und Porsche.

Das Stuttgarter Stadtbild wird durch viele Anhöhen, teilweise Weinberge, Täler wie den Stuttgarter Talkessel und das Neckartal, Grünanlagen, wie den RosensteinparkSchlossgartenKillesbergpark, sowie eine dichte urbane Bebauung mit hohem Anteil von Nachkriegsbauten, diversen BaudenkmälernKirchbauten und einigen Hochhäusern geprägt.

Stuttgart (im lokalen schwäbischen Dialekt Schduagerd) liegt im Zentrum des Landes Baden-Württemberg. Die Kernstadt befindet sich „zwischen Wald und Reben“ im „Stuttgarter Kessel“, einem vom nordostwärts dem Neckar zufließenden Nesenbach und seinen Nebenbächen, vor allem dem Vogelsangbach, durchflossenen Talkessel. Die Stadtteile reichen im Norden bis in das Neckarbecken, im Westen bis in den Glemswald und auf das Gäu, im Osten bis zu den Ausläufern des Schurwaldes und im Süden bis auf die Filderebene und zu den Ausläufern des Schönbuchs. Im Südosten fließt der Neckar bei den Stadtbezirken Hedelfingen/Obertürkheim von Esslingen am Neckar kommend in das Stadtgebiet und verlässt es im Stadtbezirk Mühlhausen im Nordosten wieder.

Das Stadtgebiet erstreckt sich – ungewöhnlich für Großstädte – über eine Höhendifferenz von fast 350 m. Die Höhe reicht von 207 m ü. NN bei der Neckarschleuse Hofen bis 549 m auf der Bernhartshöhe nahe dem Autobahnkreuz Stuttgart. Zu den markantesten Erhebungen gehören der Birkenkopf (511 m) am Rand des Talkessels, der Württemberg (411 m) über dem Neckartal und der Grüne Heiner (395 m) an der nordwestlichen Stadtgrenze.

Wirtschaft und Infrastruktur

Ortsansässige Unternehmen

Im Jahr 2016 erbrachte Stuttgart ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 51,571 Milliarden € und belegte damit Platz sechs in der Rangliste der deutschen Städte nach Wirtschaftsleistung. Der Anteil an der Wirtschaftsleistung von Baden-Württemberg betrug damit 11,3 %. Das BIP pro Kopf lag im selben Jahr bei 82.397 € (Baden-Württemberg: 43.632 €, Deutschland 38.180 €) und ist das achthöchste unter allen kreisfreien Städten in Deutschland. 2016 verzeichnete die Wirtschaftsleistung der Stadt ein nominelles Wachstum von 1,5 %. In der Stadt gab es 2016 ca. 519.300 erwerbstätige Personen.[89] Die Arbeitslosenquote lag im Dezember 2018 bei 3,9 % und damit über dem Durchschnitt von Baden-Württemberg mit 3,0 %, jedoch unter dem deutschen Durchschnitt.[90] Stuttgart ist Zentrum der Metropolregion Stuttgart, die im Jahr 2014 ein Bruttoinlandsprodukt von etwa 226 Milliarden € erwirtschaftete.[91]

Stuttgart zählt zu den einkommensstärksten und wirtschaftlich bedeutendsten Städten Deutschlands und Europas. Die Region Stuttgart ist mit etwa 1500 ansässigen kleinen und mittelgroßen Unternehmen eines der Zentren des deutschen Mittelstandes. Dabei handelt es sich in erster Linie um Zulieferer für die großen, global agierenden Automobil- und Maschinenbau-Firmen. In der Stadt und ihrer Umgebung haben sich unter anderem viele Hightech-Unternehmen angesiedelt, darunter Mercedes-Benz GroupPorsche und Bosch, die hier ihr weltweites Hauptquartier haben, aber auch SiemensKodak oder Lenovo. Aufgrund dieser wirtschaftlichen Situation nicht nur der Stadt, sondern der gesamten Region wird diese umgangssprachlich oder scherzhaft oft als Stuttgarter Speckgürtel bezeichnet. Stuttgart gehört laut GaWC-Studie im Jahr 2016 zu den mit „Beta−“ kategorisierten Städten.[92] Im Zukunftsatlas 2019 belegte die kreisfreie Stadt Stuttgart Platz 5 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Orten mit „Top Zukunftschancen“.[93]

Persönlichkeiten wie Fritz LeonhardtFrei Otto oder Jörg Schlaich gelten als Beispiele bedeutender Ingenieure der Stadt. Ingenieurbüros wie SBPLeonhardt, Andrä und Partner sowie Knippers Helbig planten Bauwerke wie die Expo Achse in Shanghai oder den Flughafen in Shenzhen. Bekannte Architekturbüros sind unter anderem Behnisch & Partner (Olympiagelände MünchenBundestagsgebäude) und Behnisch Architekten (NordLBOzeaneum Stralsund).

Der Finanzplatz Stuttgart ist mit der Börse Stuttgart nach Frankfurt zweitwichtigster Börsenplatz in Deutschland. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zählt zu den größten deutschen Kreditinstituten und ist Deutschlands größte Landesbank. Ihre Tochter BW-Bank ist zugleich Sparkasse der Stadt Stuttgart. Privatwirtschaftlich organisiert sind die Südwestbank AG, die Schwäbische Bank und das Bankhaus Ellwanger & Geiger.

Mit der Württembergischen VersicherungWürttembergischen Lebensversicherung (beide Töchter der Wüstenrot & Württembergische), SV SparkassenVersicherungWürttembergische Gemeinde-Versicherung und Allianz Lebensversicherung haben mehrere Versicherungsunternehmen ihren Sitz in Stuttgart.

Mit Wolff & MüllerZüblin und Gottlob Rommel sind in Stuttgart auch drei große nationale Bauunternehmen angesiedelt. Die in Stuttgart ansässige mateco GmbH ist ein großer Vermieter von Arbeitsbühnen.

Die Stadt Stuttgart ist ferner seit 1996 Sitz einer Spielbank. Sie ist die dritte Spielbank des Landes Baden-Württemberg nach Baden-Baden und Konstanz. Alle drei werden seit 2003 unter der Regie der Baden-Württembergischen Spielbanken GmbH & Co. KG mit Sitz in Baden-Baden betrieben.

In Stuttgart gibt es 175 Beherbergungsbetriebe mit insgesamt 18.900 Betten. 2014 wurden 3,47 Millionen Übernachtungen von 1,82 Millionen Gästen gezählt, 8,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Auslastung lag bei 71 Prozent.[94][95]

Mit rund 400 Hektar Rebfläche zählt Stuttgart zu den größten Weinbaugemeinden Deutschlands. Bekannt sind die in der Innenstadt gelegene Stuttgarter Mönchhalde, das Cannstatter Zuckerle sowie die Lagen von Untertürkheim, Rotenberg und Uhlbach (siehe hierzu den Hauptartikel Weinbau in Stuttgart).

Strom- und Gasversorgung

Neben eigener Stromerzeugung in den Kraftwerken Münster, Gaisburg und den Laufwasserkraftwerken am Neckar wird Stuttgart hauptsächlich über drei Freileitungen versorgt, die von den überregional wichtigen EnBW-Umspannwerken in PulverdingenWendlingen und Hoheneck zu Umspannwerken im Stuttgarter Stadtgebiet (Weilimdorf, Seewiesen, Möhringen) führen. Sie wurden allesamt mit einer Betriebsspannung von 220 kV ausgeführt, seit Ende der 2000er Jahre werden sie jedoch nur mit 110 kV betrieben.

Im Stuttgarter Stadtgebiet gibt es insgesamt 25 Umspannwerke der 110-kV-Ebene der EnBW bzw. heute Netze BW. In Mühlhausen wurde ein neues 380-kV-Umspannwerk errichtet. Daneben existieren rund 1400 km 10-kV-Mittelspannungskabel der Stuttgart Netze, die nahezu komplett unterirdisch verlegt sind und 7700 Trafostationen anbinden.[96][97]

Vom Umspannwerk Möhringen existiert noch eine 110-kV-Leitung zum Umspannwerk Sindelfingen, in Obertürkheim gibt es ein weiteres 110-kV-Umspannwerk, das von einem Leitungsabzweig der ehemaligen Anlage 9461, einer Freileitung von Hoheneck nach Altbach (früher bis nach Niederstotzingen), gespeist wird. Alle weiteren 110-kV-Leitungen des öffentlichen Stromnetzes in Stuttgart sind aufgrund der Bebauung als Erdkabel ausgeführt.

Im Jahr 2011 beschloss der Gemeinderat der Landeshauptstadt Stuttgart die Gründung eigener, 100 Prozent kommunaler Stadtwerke. Die seit Juli 2012 operativ tätigen Stadtwerke Stuttgart sind die zweite Gründung eines großstädtischen Stadtwerks in Deutschland seit der Marktliberalisierung von 1998. Es bietet seit Februar 2013 Ökostrom und Erdgas für alle Stuttgarter Privat- und Gewerbekunden an. In zunehmendem Maße betreiben die Stadtwerke dazu auch eigene Wind- und Solarstromanlagen und sind Contractor für Energiesysteme zur Wärme- und Stromerzeugung. Im Oktober 2014 entschied zudem der Stuttgarter Gemeinderat mehrheitlich, den Betrieb des 5000 km langen Strom- und des 1700 km langen Gasnetzes in der Landeshauptstadt – rückwirkend zum 1. Januar 2014 – an eine Kooperation der Stadtwerke Stuttgart und der EnBW-Tochter Netze BW zu vergeben. Das Kooperationsmodell hatte bei der Vergabe der Konzession für die Energieversorgungsnetze in den nächsten 20 Jahren die höchste Punktzahl erhalten. Nach einer Übergangsphase ist das Gemeinschaftsunternehmen ab 2016 zunächst für das Strom- und ab 2019 für das Gasnetz verantwortlich.

Früher gab es auch zahlreiche Mittelspannungs-Freileitungen im Stadtgebiet, die jedoch durch weniger störungsanfällige unterirdische Kabel ersetzt wurden. Der letzte oberirdische Abschnitt verlief bis 2017 am Knappenweg in Dachswald über die Gleise der Bahnstrecke nach Horb.[96][98]

Die Versorgung der elektrischen Bahnstrecken der Deutschen Bahn im Stadtgebiet erfolgt über die Zentraleinspeisstelle Zazenhausen im Norden der Stadt. Für die S-Bahnen nach Bernhausen und Herrenberg existiert in Rohr ein Unterwerk, das über eine von der Bahnstromleitung Zazenhausen–Eutingen bei Ehningen abzweigende Bahnstromleitung versorgt wird und zum größten Teil parallel zur Bahnlinie Herrenberg–Stuttgart verläuft. Daneben existieren für die Einspeisungen weiterer S-Bahn-Strecken weitere Unterwerke im Umland, etwa in Leonberg oder Waiblingen.

Wasserversorgung

Der Bärensee, der Neue See und der Pfaffensee im Westen der Stadt dienten früher der Trinkwasserversorgung[99] Stuttgarts. Seit 1917 wird Stuttgart unter anderem von der Landeswasserversorgung mit Trinkwasser aus dem Donautal bei Langenau versorgt. Die Leitung erreicht über Göppingen in Rotenberg das östliche Stadtgebiet. Seit 1958 kommt zusätzlich über die Bodensee-Wasserversorgung Trinkwasser aus dem Bodensee. Die Einspeisstelle liegt in Rohr im Südwesten der Stadt. Wassertürme stehen in Degerloch und auf dem Gähkopf (Bismarckturm).

 

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